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Wie kann ich mich besser abgrenzen?

 

Das Thema Grenzen und Selbstwahrnehmung in der Craniosacral Therapie und 2 Übungen zur Stärkung des eigenen Raums

 

Die Fähigkeit, sich abgrenzen zu können und gleichzeitig mit der Umwelt und unseren Mitmenschen in Kontakt zu bleiben, ist heutzutage essenziel. Einerseits, weile uns die Abgrenzung vor körperlichen und seelischen Verletzungen schützt, anderseits, weil wir vor lauter Ansprüchen und Anforderungen sonst früher oder später kollabieren würden. Wie schaffe ich es, mich abzugrenzen, ohne den anderen zu verletzen? Oder umgekehrt, wenn ich daran gewöhnt bin, mich ständig abzugrenzen, kann ich noch Nähe zulassen?

 

Hilfreich (aber nicht für jeden leicht) ist es, seinen persönlichen Raum wahrzunehmen, den Bereich um den eigenen Körper, der einem selbst vorbehalten ist, in welchen andere nicht eindringen können, ohne Unwohlsein zu erregen. Dieser Raum variiert je nach Person, Situation, Kultur. Am Ende Deines persönlichen Raums ist die Grenze zwischen dem Ich und der Aussenwelt. Dort entstehen Kontakt und Beziehungen zwischen dem Ich und den anderen. Die Grenze ist flexibel und kann sich öffnen oder schliessen, je nach Kontext und Befindlichkeit. Der Respekt gegenüber der Grenze des Gegenübers, sei es körperlich (z.B. Berührungen) wie emotionell (z.B. unfaire Arbeitsteilung, Erniedrigung, Manipulation) ist ein entscheidender Faktor für die Entstehung von Vertrauen. Deshalb sind Grenzen so wichtig in der Craniosacral Therapie, wo eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Klient und Therapeut für die Heilung wesentlich ist. Körperliche Grenzen werden geachtet, die Berührung wird in Rücksprache mit dem Klienten sanft angepasst. Emotionelle Grenzen werden ebenfalls respektiert, der Klient wird in seinem Selbstheilungsprozess unterstützt und ermächtigt, es soll jedoch keine Abhängigkeit entstehen.

 

Der Respekt der Grenzen ist in jeder zwischenmenschlichen Beziehung nötig, um einen vertrauensvollen, harmonischen Austausch entstehen zu lassen. Wer seinen eigenen Raum aufgibt, um sich den Bedürfnissen anderer anzupassen, bezahlt einen hohen Preis: verminderter Selbstwert, Überflutung, Erschöpfung, Schmerzen. Wer, umgekehrt, seine Grenze verbaut hat, aus Angst oder wegen negativer Erfahrungen, fühlt sich einsam, isoliert und unglücklich. Hier kann die Craniosacral Therapie sehr wertvoll sein: Durch einfühlsames Nachfragen leitet die Therapeutin den Klienten zu einem erhöhten körperlichen Bewusstsein, wo die Wahrnehmung des eigenen Raums überhaupt erst möglich ist. Die sanften Berührungen lassen eventuelle emotionelle „Mauern“ des Klienten nicht selten von selber wegschmelzen.

 

Das „Grenzenziehen“, das Bewusstwerden des eigenen Raums ist eine wertvolle Übung aus der Integrativen Körperpsychotherapie. Sie hilft, die innere Sicherheit zu stärken und ein selbst-bestimmtes Leben zu führen. Eine Studie der Universität Zürich zeigt, dass diese Übung, vor einem Bewerbungsgespräch praktiziert, die Probanden bezüglich Angst, Nervosität und Ausschüttung des Stresshormons Cortisol positiv beeinflusste. Das Bewusstwerden des eigenen Raums ermöglicht offensichtlich ein stärkeres Selbstgefühl und erhöht die Resilienz im Umgang mit akutem Stress.

 

Hier beschreibe ich zwei Übungen zum Thema Grenzen und Schutz. Sie ersetzen nicht den Austausch mit einem erfahrenen Therapeuten nicht, melden Sie sich für eine persönliche Sitzung, wenn Sie das Thema vertiefen möchten.

 

 

Übung 1: Der Schutzkreis

Schnelle Selbsthilfe Übung für Stresssituationen und Umgang mit „schwierigen“ Personen:

 

Setze Dich entspannt hin, schliesse die Augen und stelle Dir vor, Du könntest einen Schutzkreis um Dich herum kreieren. Folge Deiner Intuition: Wie soll er aussehen? Warte, bis ein Bild zu Dir kommt. Vielleicht schützt Dich ein Kreis aus weissem Licht, vielleicht die Ausstrahlung eines Engels. Vielleicht fühlst Du Dich in einer Burg sicher, oder unter dem farbigen Mantel einer Göttin?

 

Diesen geheimen Schutz kannst Du dann im Alltag immer dann abrufen, wenn Du Dich vor negativen Energien schützen willst.

 

Übung 2: Grenzenziehen

Diese Übung hilft Dir, Deine eigenen Grenzen bewusst zu machen. Dadurch gewinnst Du eine innere Sicherheit und natürliche Autorität.

 

Stehe auf beide Füsse und nimm Deinen Körper, Dein jetziges Befinden war. Was spürst Du? Wie atmest Du? Wo fühlst Du Dich wohl?

Nimm jetzt den Raum um Dich herum, der zu Dir gehört, wahr, also Deinen persönlichen Raum. Manche Menschen nehmen viel Platz ein, andere fühlen sich in einem grösseren Raum verloren, wie geht es Dir? Könntest Du diesen Raum mit einem Stück Kreide, einer Schnur oder mit Deinen Händen definieren? Wie fühlst Du Dich in Deinem Raum? Wie atmest Du? Was spürst Du im Körper?

Am Ende dieses Raums befindet sich eine Grenze. Ist Deine Grenze rigid, wie eine Mauer, durchlässig, wie eine Wolke, oder fragil, wie eine Seifenblase, die bei einer Berührung gleich platzt? Was für Bild kommt Dir entgegen? Ist dieses Bild für Dich im Moment passend oder möchtest Du Deine Grenzen etwas stärken oder leicht öffnen?

Komm mit der Aufmerksamkeit zurück zu Dir. Wie geht es Dir jetzt? Was spürst Du gerade?

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Quellen:

Grenzenziehen, eine nachhaltige psychotherapeutische Intervention, Artikel von Mark Froesch-Baumann, ibp Institut, erschienen in punktum, Dez.2005

 

Ich folge der Stille und finde mich selbst, einfache Übungen für den Alltag, B. und J. de las Heras, Schirner Verlag, 2009