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Pilates und Yoga: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

 

Was ist der Unterschied zwischen Yoga und Pilates? Für Anfänger sehen einige Übungen vielleicht ähnlich aus: langsame Dehnungen, Balance, Stützpositionen usw. Beide Methoden werden weltweit praktiziert und fördern Gesundheit und Wohlbefinden. Welche passt dann besser zu Dir? Hier vergleiche ich beide Methoden, sodass Du für Dich entscheiden kannst:

 

1.     Geschichte und Ursprung

Während Yoga seine Wurzeln in Indien hat und auf mehrere Tausend Jahre Geschichte zurückblickt, ist Pilates eine relativ junge Methode. Sie wurde vom deutsch-amerikanischen Körpertrainer Joseph Hubert Pilates (1883-1967) erfunden. Er beobachtete Tiere und übernahm Elemente aus Yoga und Kampfsportarten, um eine neue gesundheitsfördernde Methode zu entwickeln.

 

2.     Ziele: Gesundheit und Spiritualität

Der grösste Unterschied ist vielleicht, dass Pilates keinen spirituellen Hintergrund hat, Yoga sehr wohl. Yoga heisst Harmonie und Verbindung. Ziel ist der innere Frieden durch eine Harmonie von Körper, Seele und Universum. Yoga ist nicht nur eine Reihe von Übungen, sondern eine Philosophie und ein lebenslanger Weg. Yoga umfasst Meditation, Hingabe, ein gewaltfreies Leben. In Pilates sind die Übungen selbst der Weg. Das Ziel ist die Verbesserung des Körpergefühls und der Gesundheit allgemein. Trotzdem fördert die Methode das Verbinden von Körper und Geist. Von Spiritualität kann keine Rede sein, vielmehr von Ausgeglichenheit und Fokus. Pilates sagte „The mind, housed in a healthy body, gives a glorious sense of power.”

 

3.     Die Atmung: jetzt ein- oder ausatmen?

Pilates und Yoga setzen beide einen Fokus auf die Atmung. Die Atmung regt den Stoffwechsel an, unterstützt die Durchführung der Übungen sowie die Konzentration. In Yoga gibt es sogar separate Atemübungen, „Pranayama“. Interessanterweise unterscheiden sich die Atemmuster in Yoga und Pilates. Es ist vielleicht zunächst etwas verwirrend, wenn man von einer Methode zur anderen zu wechseln, aber so kompliziert ist es auch wieder nicht. In Yoga unterstützt die Atmung generell die Verlängerung und das Loslassen. In Pilates verhilft die Atmung zu Stabilität und Gleichgewicht.

 

4.     Statisch oder dynamisch?

Ausser dem berühmten Sonnengruss, einer Bewegungssequenz, die of zum Aufwärmen genutzt wird, ist Yoga ist tendenziell statisch. Man hält eine Position für mehrere Minuten. Das fördert die Ausdauer bei Stehübungen und gibt dem Körper Zeit, in den passiveren Stellungen auf dem Boden loszulassen. Pilates ist langsam, aber dynamisch, die Bewegungen werden fliessend durchgeführt. Sie werden ein paarmal bewusst wiederholt, dann folgt die nächste Übung oder Übungssequenz.

 

5.     Matte oder Geräte?

Beide Methoden nutzen die Schwerkraft und das eigene Körpergewicht, um Kraft aufzubauen. Deshalb braucht man für beide Methoden nur eine Matte – und etwas Disziplin. Allerdings hat Pilates auch Geräte entwickelt, zum Beispiel den „Reformer“ oder den „Cadillac“. Durch den Widerstand von Federn werden die Übungen teilweise intensiver, wegen der zusätzlichen Unterstützung teilweise leichter durchzuführen.

  

Schliesslich kann ich sowohl Yoga wie Pilates als ganzheitliche Trainingsformen empfehlen. Die Übungen lösen Spannungen, kräftigen die Muskulatur, verbessern die Beweglichkeit, die Haltung und das Körperbewusstsein. Während Yoga durch Entspannung und Meditation spirituelle Aspekte aufweist, bleibt Pilates auf der Körperebene. Nach jahrelangem Praktizieren von Yoga habe ich persönlich zu Pilates gewechselt, weil ich die Kräftigung der Tiefbauchmuskeln brauchte, um mich im Rücken wohlzufühlen. Mittlerweile bin ich seit 2014 Pilates Instruktorin. Ich unterrichte Einzelstunden mit Matte und Reformer in der Praxis am Fluss und Kleingruppenstunden im Garuda Yoga Studio, beide in Adliswil.

 

Geneviève Singh